Smarte Ideen gegen den Klimawandel Retten uns die Moore?

Der Klimawandel verändert unseren Planeten. Wie es hier in 100 Jahren aussieht – unklar. Ganz sicher ist dagegen: Wir haben zu viel CO2 in der Atmosphäre! Das Ziel jetzt: zumindest nicht mehr immer weiter so viel ausstoßen. Aber was wäre, wenn es auch umgekehrt ginge – wenn wir CO2 einfach wieder aus der Atmosphäre binden würden? Und es dann tief versenken, damit wir nie wieder damit zu tun haben müssen – zum Beispiel in einem Moor?

Moorlandschaft in Sachsen
Bildrechte: MDR/ Sachsenforst

Schon seit der Steinzeit haben wir sie Stück für Stück abgegraben – und später immer weiter trockengelegt. Denn so lässt sich aus unseren Mooren Torf gewinnen, der als Brennmaterial oder Substrat für den Gartenbau sehr begehrt ist. Das Moor selbst wird dabei allerdings zerstört. Mittlerweile gibt es für Ofen und Blumenbeete gute Alternativen – aber: Noch immer werden Moore in Deutschland trockengelegt, um sie nutzbar zu machen. 70 Prozent der Moore in Deutschland werden derzeit landwirtschaftlich genutzt. Der fruchtbare Torfboden eignet sich schließlich hervorragend zum Anbau von Nutzpflanzen.

Der Haken an der Sache

Leider hat die Sache einen Haken: Wird ein Moor trockengelegt, kommt mehr Luft in die oberen Bodenschichten. Und das hat fatale Auswirkungen: Durch die Belüftung werden Abbauprozesse in Gang gesetzt, die den Boden verändern. Die oberen Bodenschichten werden zerstört – teilweise sackt das Moor auch ab. Das führt dazu, dass der Moorboden auf Dauer landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar ist. Und die Trockenlegung hat noch einen weiteren Nebeneffekt: Unsere Moore stoßen dabei unglaubliche Mengen CO2 aus! Und das macht sie zu einem echten Klimakiller: Obwohl sie in Deutschland nur sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen ausmachen, sind sie für 37 Prozent der CO2-Emissionen der deutschen Landwirtschaft verantwortlich. Das entspricht 24 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Moore können riesige Mengen CO2 speichern

Und das wäre eigentlich gar nicht nötig: Wenn wir die Moore in Ruhe lassen, sind sie nämlich auch keine Klimakiller mehr. Ganz im Gegenteil: Moore können sogar riesige Mengen CO2 speichern. Wenn Pflanzen, die ihr ganzes Leben lang CO2 aufgenommen haben, sterben und im Moor landen, werden sie dort nur unvollständig zersetzt. Die entsprechende Menge CO2 wird also nicht wieder in die Atmosphäre zurückgeführt, sondern bleibt im Moor gebunden. Und zwar dauerhaft – so lange, wie das Moor besteht.

Moore kann man wieder vernässen

Genau das hat einen erheblichen Effekt: In Deutschland sind Moore mit 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff der größte terrestrische Kohlenstoffspeicher. Und da ist noch Luft nach oben: Von insgesamt rund 1,3 Millionen Hektar Moorfläche befinden sich deutschlandweit nur noch ein Prozent in einem naturnahen Zustand. Moore könnten also noch so viel mehr leisten für die globale CO2-Bilanz. Und es gibt eine gute Nachricht: Auch bereits trockengelegte Moore lassen sich wieder "vernässen“ – und so als CO2-Speicher reaktivieren.

Wenn wir einfach wieder Wasser in die Moore einleiten, wird die CO2-Freisetzung quasi sofort gestoppt. Klingt super! Leider gibt es einen unerwünschten Nebeneffekt: Bei diesem Prozess wird Methan freigesetzt – auch schlecht fürs Klima. Aber es lohnt sich trotzdem: Ein Forscherteam der Uni Rostock hat die CO2-Methan-Balance der Moore untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Wenn wir das Klima retten wollen, sollten wir sofort alle verfügbaren Moore wieder vernässen.

Sachsen fängt schon an

In Sachsen hat man damit schon vor 15 Jahren angefangen: Seitdem renaturiert der Staatsbetrieb Sachsenforst Moore in der Region. Momentan geht es um zehn Moore im Westerzgebirge – die werden im Rahmen des Projektes "MooReSax“ wiederbelebt. Die Entwässerungsgräben rund um die Moore werden entfernt – und dann wird Wasser aus der Umgebung in das Moor geleitet. 80 Hektar Moorlandschaft sollen so wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden. Und das dauert extrem lange: Torf wächst gerade mal zwei Millimeter im Jahr. Bis die Moore also wieder im Ursprungszustand sind, kann es Jahrhunderte dauern. Aber – die gute Nachricht – schon während dieser Aufbauphase können die Moore wieder CO2 aufnehmen.  

Das können wir aus dem Projekt lernen

Um den Klimawandel zu stoppen, muss global weniger CO2 ausgestoßen werden – da kommen wir nicht drum herum. Aber: Es gibt auch clevere Möglichkeiten, Treibhausgase aus der Atmosphäre wieder zu binden, beispielsweise mithilfe der Moore. Das macht unsere Klimasünden vermutlich nicht ungeschehen – hilft uns aber möglicherweise ein wenig aus der Patsche. Und unsere Moore inspirieren auch die Forschung: CO2 einfach aus der Luft filtern – und es dann nachnutzen: Das macht mittlerweile auch eine Industrieanlage mit dem Namen "Direct Air Capture“, und soll so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

iz

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