Welttage der Ozeane Sind die Riffe noch zu retten?

Korallen sind die Architekten der Unterwasserwelt und die Erbauer lebenswichtiger Ökosysteme. Doch der Klimawandel macht ihnen zu schaffen. Sowohl Kaltwasserkorallen als auch die Korallen in den Gewässern des australischen Great Barrier Reef stehen unter Stress. Die Korallenbleiche ist eine Auswirkung davon.

Great Barrier Reef von oben
Das Great Barrier Reef, 2.3000 Kilometer lang und als größte von Lebewesen geschaffene Struktur der Erde auch vom Weltall aus zu sehen. Bildrechte: imago/Danita Delimont

Unsere Erde ist zu 70 Prozent mit Wasser bedeckt – darin sieben Kontinente, unzählige Inseln, zahllose Riffe. Eines davon kann man sogar vom Weltall aus erkennen: Das Great Barrier Reef. Es ist das größte Riff der Welt. Mit über 2.300 km Länge erstreckt sich die Ansammlung von über 2.900 einzelnen Korallenriffen, Inseln und Sandbänken vor der Küste von Queensland über ganze 14 Breitengrade. Hier ist der Name also durchaus Programm. Dieses Riff ist ein einzigartiges Meisterwerk der Unterwasserarchitektur, geschaffen von 360 Hartkorallenarten und 80 Weichkorallenarten. Es ist das Zuhause von 1.500 Fischarten, 5.000 Weichtierarten, 800 Stachelhäuter-Arten und vielem mehr. Doch das Ökosystem leidet.

Bleiche Geisterwälder

Immer mehr Korallenbänke des Riffs verlieren ihre Farbenpracht und sind von der Korallenbleiche betroffen. Mehr als 90 Prozent des Riffs leiden bereits darunter. Es ist die vierte massive Bleiche seit 2016. Ein Grund dafür ist die Erwärmung des Meerwassers durch den Klimawandel.

"Die Zukunft des Great Barrier Reef steht auf Messers Schneide, aber es ist noch nicht zu spät, es zu retten", sagte Anna Marsden, Direktorin der Stiftung Great Barrier Reef Foundation.

Bei schwierigen Bedingungen stoßen die Korallen Algen ab, mit denen sie eigentlich zusammenleben. Diese sorgen unter anderem für ihre prachtvollen Farben. Gebleichte Korallen sind also extrem gestresste Korallen. Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber. Gebleichte Korallen sind nicht tot, ändern sich die stressigen Bedingungen für sie, können sie sich erholen.

Aber nicht nur der Klimawandel, der mit Abstand die größte Bedrohung für das Riff ist, gefährdet die Korallen. Auch schlechte Wasserqualität, korallenfressende Dornenkronen-Seesterne sowie Wirbelstürme und Unwetter gehören zu den Stressoren, erklärt Anna Marsden.

Gestresste Korallenriffe

Sterbende Korallenriffe sind nicht nur ein großes Problem im australischen Great Barrier Reef, sondern ein globales Phänomen.

Korallen und Fische am Great Barrier Reef vor Australien
Das Great Barrier Reef in seiner vollen Schönheit, ein Postkartenmotiv. Doch 90 Prozent des Riffs sind schon von der Korallenbleiche betroffen. Bildrechte: imago images/imagebroker
Korallen und Fische am Great Barrier Reef vor Australien
Das Great Barrier Reef in seiner vollen Schönheit, ein Postkartenmotiv. Doch 90 Prozent des Riffs sind schon von der Korallenbleiche betroffen. Bildrechte: imago images/imagebroker
Tote Koralle, Geweihkoralle
Diese Geweihkoralle im Great Barrier Reef ist von der Bleiche betroffen. Tot ist sie noch nicht, aber extrem gestresst. Bildrechte: imago/imagebroker
Korallenbleiche auf den Malediven
Auf dem Inselparadis gab es bisher zwei große Bleichen 1998 und 2016. Letztere wurde durch das Naturphänomen El Niño ausgelöst. Bildrechte: imago/imagebroker/Dirscherl
Bleichen der Acropora-Koralle,
Bleichen der Acropora-Koralle auf den Seychellen. Seit den 1990iger Jahren ist etwa die Hälfte der Korallen wärmeres Meerwasser beschädigt worden. Bildrechte: imago images/imagebroker
Die Insel Maya Bay
Die Maya Bay auf Phi Phi Island - hier war es nicht der Klimawandel, der die Korallen zerstörte, sondern der Massentourismus. Die Anker der Boote vor der berühmten Bucht rissen tiefe Wunden in die Riffe. Bildrechte: IMAGO/YAY Images
Die Steinkorallen Lophelia pertusa und Madrepora oculata auf einem Korallenhügel vor Mauretanien. Die Riffe dienen Fischen, Krebsen, Muscheln und vielen anderen Bewohnern als Lebensraum
Bildrechte: Tomas Lundälv
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Ein Kampf an verschiedenen Fronten

"Wir können das Great Barrier Reef für kommende Generationen retten, und wir bringen die klügsten Köpfe und die beste Wissenschaft zusammen, um genau das zu tun", betonte Anna Marsden. Dabei kämpfen sie an zwei Fronten. Zum einen müssen die Auswirkungen des Klimawandels verlangsamt werden, zum anderen müssen innovative Wege gefunden werden, die Korallenriffe besser zu schützen. Zum Beispiel versuchen die Forschenden auch hitzeresistentere Korallenarten zu züchten oder die Bleiche durch Kühlung und Beschattung zu verhindern. Und auch die Zugabe von Probiotika hilft den Nesseltieren besser mit Hitzestress umzugehen.

Aber nicht nur die Korallen in warmen Gewässern stehen unter Stress, sondern auch die Kaltwasserkorallen. Im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten, die sich in warmen und oberflächennahen Gewässern aufhalten, sind die Kaltwasserkorallen in kalten Gewässern und in Tiefen zwischen 50 und 6.000 Metern zuhause. Und obwohl sie mit 3.400 verschiedenen Arten den größeren Anteil aller bekannten Korallenarten ausmachen, sind sie eher die Underdogs der Unterwasserwelt. Dabei sind sie die Ökosystem-Ingenieure, die maßgeblich zur Entstehung von Biodiversitäts-Hotspots in der Tiefsee beitragen.

Auch Kaltwasserkorallen, wie die Steinkoralle Lophelia pertusa reagieren sensibel auf sich ändernde Lebensbedingungen. Neben der Veränderung der Wassertemperatur gehören dazu die Versauerung, der abnehmende Sauerstoffgehalt und auch der variierende Nährstoffzufluss. Was genau das Aussterben und Wiederansiedeln von Kaltwasserkorallen auslösen kann, haben nun Forschende des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen untersucht. Für ihre Studie haben sie 20.000 Jahre in die Vergangenheit geblickt, also in die Zeit der letzten großen globalen Erwärmung nach der letzten Eiszeit. Dafür sammelten sie an verschiedenen Korallenstandorten Sedimente, denn darin sind Information über die vergangenen Umweltbedingungen gespeichert.

Keine Nahrung, keine Korallen

Die Temperatur und der Salzgehalt hatten wenig Einfluss auf das Absterben der Korallen, erklärt Rodrigo da Costa Portilho-Ramos, Erstautor der Studie. Der Sauerstoffgehalt und das Nahrungsangebot dafür umso mehr. Kaltwasserkorallen ernähren sich von mikroskopisch kleinem Plankton und Partikeln, die von der Meeresströmung transportiert werden.

Diese Erkenntnisse helfen dabei, angepasste Strategien zum Schutz der Korallen zu entwickeln. Und sie zeigen auch, dass die verschiedenen Korallenarten mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben. Temperaturen, Salzgehalt, Sauerstoffgehalt, Strömungen, Nahrungsangebote – all das wird vom Klimawandel beeinflusst und hat Auswirkungen auf die Bewohner unserer Ozeane. Und genau diese Ozeane sind nicht nur lebensnotwendig für die Unterwasserlebewesen, sondern auch für alle anderen Lebewesen. Sie sind Sauerstoffproduzenten, Quelle für Nahrung, Rohstoffe und Energie. Sie zu schützen ist eine unserer dringlichsten Aufgaben.

dpa/JeS

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