Südsternwarte in Chile 2019 Totale Sonnenfinsternis wirft erste Schatten voraus

Wer nächstes Jahr im Juli die totale Sonnenfinsternis in Chile im La Silla Oberservatorium erleben will, braucht außer Geld auch etwas Glück an diesem Freitag, dem 13.: Es gibt nämlich nur 300 Plätze für Besucher. Ab 13:00 Uhr MEZ startet der weltweite Verkauf der Plätze.

Europäische Südsternwarte Chile
Bildrechte: ESO

Die europäische Südsternwarte ist Tausende Kilometer von Europa entfernt und zwar aus gutem Grund: Himmelsbeobachtungen sind in Südamerika ganz anders möglich als im dichtbesiedelten Europa, erklärt Astronom Michael Sterzik vom Forschungsverbund ESO. Er hat fünf Jahre lang im La-Silla-Observatorium in Chile geforscht:

Es ist weniger Luftverschmutzung da, das heißt, der Kontrast ist stärker und es ist eine fantastische Atmosphäre, die eben astronomische Beobachtungen mit weltweit besten Bedingungen erlaubt.

Michael Sterzik

Es ist für Europäer als würde man vom Himmel eine Milchglasscheibe wegziehen. Die Luft ist unendlich klar. Kein künstliches Licht von Städten oder Siedlungen stört das Nachtdunkel. Der Blick geht tiefer ins Universum und man ahnt erst wirklich die Unendlichkeit und die unendliche Vielfalt des Sternenhimmels über uns.

Man sieht sehr klar das Zentrum der Milchstraße. Das ist sehr eindrucksvoll. Und die Nachbargalaxien auch, die Magellanschen Wolken. Und das sind alles Sachen, die wir sehr viel deutlicher da in Chile, in La Silla sehen, sowas hat man am Nordhimmel, insbesondere als Mitteleuropäer noch nicht gesehen.

Michael Sterzik
Michael Sterzik
Bildrechte: ESO

Das La-Silla-Observatorium beschreibt Michael Sterzik als eine Ansammlung weißer Pilze, aufgereiht  auf einem kahlen Bergrücken in 2.400 Meter Höhe. Die Pilzkappen sind die Kuppeln der Teleskope. Tagsüber sind sie geschlossen, weil in der Sonnenstrahlung Teile der empfindlichen Teleskope schmelzen könnten. Nachts öffnen sie sich für den Blick hinaus zu extrem fernen Galaxien aus der Frühzeit unseres Universums.

Diese frühen Galaxien sind ungefähr eine Milliarde Jahre nach dem Urknall entstanden, und wenn man weiß, dass der Urknall vor 13 Milliarden war, sehen wir ungefähr so 10, 11, 12 Milliarden Jahre zurück.

Michael Sterzik

Ein Forschungsschwerpunkt in La Silla ist die Suche nach unentdeckten Planeten. Dazu richten die Forscher die Teleskope auf extrem weit entfernte Sterne, deren Geschwindigkeit sie mit einem Hochpräzisionsgerät messen. Damit kann die Geschwindigkeit von Objekten, die Lichtjahre entfernt sind, auf bis zu 1 m/s genau gemessen werden. Aus so gefundenen kleinsten Geschwindigkeitsschwankungen lässt sich berechnen, was für Planeten um diese Sterne kreisen, welche Masse sie haben, wie weit sie vom Zentralgestirn, also ihrer Sonne, entfernt sind. Auf diese Weise können erdähnliche Planeten im Universum gefunden werden.

Tatsächlich hat man ja auch durch das La Silla Instrument um unseren nächsten Stern Proxima Centaurus einen Planeten entdeckt, der tatsächlich erdähnlich ist im Sinn von: Er hat eine ähnliche Masse und er hat einen ähnlichen Abstand von seinem Muttergestirn.

Was mit der Technik von La Silla noch nicht geht, ist festzustellen, ob auf solchen Planeten erdähnliches Leben möglich ist. Dazu müssen noch größere Teleskope die Planeten selbst ins Visier nehmen. Eines ist in Nordchile im Bau und soll 2024 in Betrieb gehen. Astronom Sterzik erwartet dann den nächsten Wissenssprung auf der Suche nach lebensfreundlichen Planeten im All:

Ich könnte mir vorstellen, dass innerhalb von zehn Jahren vielleicht die ersten Meldungen kommen, dass Sauerstoff in der Atmosphäre um einen Expoplaneten gefunden worden ist. Was natürlich noch nicht heißt, dass es da unbedingt Leben, so wie wir es kennen, gibt. Aber Sauerstoff in der Atmosphäre ist natürlich schon sehr interessant.

Miachel Sterzik

Für die Sonnenfinsternis 2019 erwartet Astronom Sterzik in La Silla ein gigantisches Naturschauspiel. Über die Bergkette wird der Kernschatten langsam bis zum Observatorium wandern. Dann kommen zwei Minuten völlige Dunkelheit, in der um die verdeckte Sonne die sogenannte Lichtkorona pulsiert.

Die Sonnenoberfläche ist in ständiger Bewegung, die hat nicht einen harten Rand und das sind riesige Plasmaströme, die da eben aus der Sonnenoberfläche rauskommen, die dann voll sichtbar werden, und deswegen sieht man dann diese weiten Strahlen, die sich ständig verändern, die auch sehr dynamisch sind.

Ob Michael Sterzik selbst in La Silla die Sonnenfinsternis erleben kann, weiß er noch nicht, denn vermutlich wird es im Observatorium am 2. Juli 2019 rappelvoll. An dem Tag haben Besucher ausnahmsweise Zugang zum La Silla Observatorium: 300 Plätze bietet der Forschungsverbund ESO an - pro Platz 200 Euro. Die Reisekosten kommen dann noch dazu.

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell | Radio | 13. Juli 2018 | 08:50 Uhr