Pilotprojekt in Leipzig ÖPNV der Zukunft: Busse, Bahnen und … selbstfahrende Autos?

Mit der Straßenbahn durch die Innenstadt – das klappt in vielen Städten super. Das Problem liegt oft woanders: am Stadtrand. Dort fahren mitunter weniger Bahnen und Busse, wenn überhaupt. Wer aber mit dem ÖPNV zur Arbeit will, braucht eine lückenlose Versorgung auf der ganzen Strecke. Das Pilotprojekt "Absolut“ der Leipziger Verkehrsbetriebe soll diese Lücke schließen – und zwar mit selbstfahrenden Autos.

Absolut Shuttle der LVB
Pilotprojekt "Absolut“ der Leipziger Verkehrsbetriebe: Selbstfahrende Autos im ÖPNV. Bildrechte: Leipziger Gruppe

Busse, die selbstständig und ohne Personal an Bord Gebiete versorgen, die bisher vom öffentlichen Nahverkehr ausgeschlossen waren und über eine App gerufen werden können – das klingt nach Zukunft. Und es wird wohl auch noch einige Jahre eine Zukunftsvision bleiben. Aber: Die Leipziger Verkehrsbetriebe testen mit einem Pilotprojekt schon einmal, wie eine derartige Erweiterung des ÖPNV funktionieren kann. In Kooperation mit der TU Dresden entstand ein umgebauter VW e-Crafter, der momentan auf dem Leipziger Messegelände getestet und weiterentwickelt wird. Dieses Fahrzeug soll perspektivisch ab 2030 ganz alleine im Leipziger Norden unterwegs sein – mit bis zu 70 km/h.

Level 4-Automatisierung

Das Besondere an dem Projekt: Im Gegensatz zu vielen selbstfahrenden PKW, die bereits alleine fahren können, aber immer noch einen Fahrer oder eine Fahrerin hinter dem Steuer brauchen, soll der selbstfahrende Bus der Leipziger Verkehrsbetriebe perspektivisch mit einem leeren Fahrersitz unterwegs sein – allerdings nur auf einer bestimmten, vorher festgelegten Strecke. Im Notfall soll dann eine Leitstelle eingreifen können.

Für die Entwicklung selbstfahrender Autos wäre das ein Schritt nach vorne: Dort unterteilt man die Fähigkeiten automatisierter Fahrzeuge in fünf Level.

Absolut Selbstfahrendes Auto
Blick ins Cockpit des selbstfahrenden VW e-Crafters Bildrechte: MDR/Inka Zimmermann

Während viele Hersteller schon jetzt PKW produzieren, die Level drei erreichen, also weitgehend selbst fahren, aber in jedem Fall eine aufmerksame Person auf dem Fahrersitz erfordern, die auf Anforderung des Systems übernimmt, könnte ein Fahrzeug, das Level vier erreicht, auch ganz ohne Insassen fahren – allerdings auf einer bestimmten, zumindest grob festgelegten Strecke. So wird sichergestellt, dass das Fahrzeug beispielsweise sehr detailliertes Kartenmaterial vorliegen hat und mit den Ampeln auf der Strecke kommunizieren kann.
Level fünf – sozusagen die Endstufe des autonomen Fahrens – wird erreicht, wenn das Fahrzeug alle Verkehrssituationen alleine bewältigt und auch keine externe Kontrolle mehr braucht. Davon sind wir aber noch ein Stückchen entfernt.

Der selbstfahrende Bus muss extrem genau fahren

Absolut Selbstfahrendes Auto
Bildrechte: MDR/Inka Zimmermann

Damit ein selbstfahrendes Auto so am Straßenverkehr teilnehmen kann, muss es ihm gelingen, seine Umgebung "wahrzunehmen“ – und zwar extrem präzise. Der automatisierte Bus der Leipziger Verkehrsbetriebe beispielsweise muss so nah an eine Haltestelle heranfahren, dass maximal fünf Zentimeter Abstand bis zur Bordsteinkante bleiben.
Nur so kann sichergestellt werden, dass sich potenzielle Fahrgäste nicht beim Einstieg verletzen können.

Sensoren helfen dem Auto

Viele Dinge, die ein Mensch am Steuer normalerweise mit einem Blick "abschätzt“ übernehmen im selbstfahrenden Auto eine Vielzahl an Sensoren. Die drei wichtigsten: optische Kameras, LiDAR (dazu gleich mehr) und Radar.

Absolut Selbstfahrendes Auto
Bildrechte: MDR/Inka Zimmermann

Kameras liefern dem Auto ein klares Bild der Umgebung – allerdings nur, wenn es hell ist. Ein LiDAR-Sensor sendet Laserimpulse aus und erkennt das aus der Atmosphäre zurückgestreute Licht. So kann es sich ein – wenn auch etwas abstrakteres – Bild von der Umgebung machen. Ein solcher Sensor ist unter anderem in Staubsaugerrobotern verbaut – in Fahrzeugen natürlich um ein Vielfaches komplizierter. Bei schlechtem Wetter kann es allerdings sein, dass der LiDAR-Sensor weniger zuverlässige Ergebnisse liefert. In diesem Fall kann das selbstfahrende Auto noch auf einen Radar-Sensor zurückgreifen, der auch dann noch zuverlässige Informationen liefert, wenn es stark regnet oder dunkel ist.

Gehirn im Kofferraum

Um den gesamten Bereich um das Auto herum zu erfassen, braucht es all diese Sensoren natürlich mehrmals. Im automatisierten e-Crafter der LVB sind deshalb acht Kameras verbaut, eine Infrarot-Kamera, acht LiDAR-Sensoren und fünf Radare. Auf dem Dach des Fahrzeugs sitzen außerdem drei globale Satellitennavigationssysteme – wichtig, um die Position des Autos auf der Karte zweifelsfrei bestimmen zu können – und zwar auch dann, wenn es schnell fährt oder die Richtung wechselt. Ein normales GPS, wie wir es in unseren Smartphones verwenden, käme in diesem Fall womöglich nicht immer punktgenau mit.

Absolut Selbstfahrendes Auto
Bildrechte: MDR/Inka Zimmermann

Was bei uns Menschen das Gehirn ist, sitzt beim selbstfahrenden e-Crafter im Heck: Ein eigenes kleines Rechenzentrum führt die Informationen aller im Auto verbauten Sensoren zusammen und errechnet auf dieser Basis die weitere Fahrtroute.

Realität ab 2030?

Bis die Kunden der Leipziger Verkehrsbetriebe dieses Fahrzeug eines Tages via App rufen können, wird es noch einige Jahre dauern – die Projektleiter zielen momentan auf das Jahr 2030. Im Sommer dieses Jahres soll im nächsten Schritt getestet werden, wie potenzielle Passagierinnen und Passagiere auf das selbstfahrende Auto reagieren.

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