Sachsens Insekten-Sensation Im Auwald Leipzig lebt vermeintlich ausgestorbene Schnabelfliegen-Art

Totgesagte leben länger, sagt der Volksmund und das war bei der kleinen Schnabelfliege Bittacus Hageni lange der Fall. Die Schnabelfliege galt als ausgestorben - bis man eine im Leipziger Auwald fand.

schnaken-artiges Insekt in langen Beinen: Heißt lateinisch Bittacus hageni
Bittacus hageni in Alkohol eingelegt harrt ihrer DNA-Entschlüsselung. Bildrechte: Lisa Hahn

Der gemeine Spaziergänger im Leipziger Auwald hätte die kleine Schnabelfliege Bittacus hageni, die auf einem Springkraut ruhte, vermutlich achtlos übersehen. Nicht so Studentin Sophie Locke, die das Insekt während einer Auwald-Exkursion fand. Lisa Hahn, Exkursionsleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe "Molekulare Evolution und Systematik der Tiere" war klar, dass das ein besonderer Fund war. Eine Analyse der Fotos durch Kollegen bestätigte ihre Vermutung: Das kleine Insekt mit den langen Beinen ist eine Schnabelfliege namens "Mückenhaft", lateinisch Bittacus hageni.

Sensation im Leipziger Auwald

Blick in einen Wald mit vielen Sträuchern am Boden
Im Naturschutzgebiet Burgaue im Leipziger Auwald wurde das erste Exemplar gefunden, das die Forschung jetzt genetisch analysieren will. Bildrechte: Lisa Hahn

Eine Sensation in der Insekten-Welt, denn diese Schnabelfliegen-Art galt seit über hundert Jahren in Deutschland als ausgestorben. 2003 war erstmals wieder ein Exemplar gesichtet worden und zwar in Sachsen-Anhalt. Das 2021 im Sommer gefundene und nun bestimmte Exemplar, ein Weibchen, ist der erste Nachweis dieser Art in Sachsen überhaupt. Lisa Hahn fing in der Nähe des Fundortes zwei Tage später zwei weitere Exemplare, ebenfalls Weibchen. Für die Leipziger Forscher ein Beleg dafür, was für ein wichtiges und schützenswertes Refugium der Leipziger Auwald für viele seltene und bedrohte Arten ist. Anhand der jetzt gefundenen Exemplare soll der erste genetische Fingerabdruck der seltenen Art erstellt werden.

Schnabelfliegen ernähren sich von anderen kleinen Insekten, wobei sich die Vorlieben der Männchen und Weibchen beim Fressen unterscheiden: Die Männchen schlagen ihre Beute im Flug mit einem hakenförmigen Fußglied, das sie ein- und aus ausklappen können. Die Weibchen ernähren sich ihr ganzes Leben lang von Nektar, nur bei der Begattung steigen sie um auf Insektenbeute. Das Männchen bezirzt sie nämlich mit einer Beute als Paarungsgeschenk. Tagsüber ruhen sie und werden erst in der Dämmerung und Nacht aktiv.

Die Veröffentlichung der Uni Leipzig lesen Sie hier als pdf.

(lfw)

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