Forschungsschiff "Polarstern" Arktis-Expedition unterbrochen: Forscher müssen Eisscholle verlassen

Ein Jahr lang wollte das Forschungsschiff "Polarstern" in einer Eisscholle eingefroren durchs Nordmeer mitdriften. Alle sechs Wochen sollte das Team wechseln. Wegen Corona läuft der 4. Wechsel anders als geplant.

Menschen laufen auf einer großen Eisscholle
Bildrechte: Julia Schmale

Von Herbst 2019 an zwölf Monate lang eingefroren durch das Nordmeer treiben, um so die Geheimnisse der Arktis in Zeiten des Klimawandels zu erforschen - das war der Plan der internationalen MOSAIC-Expedition, der größten Arktisexpedition aller Zeiten. Doch der ist hinfällig. Für den 4. Schichtwechsel muss die Polarstern ihren Forschungsstandort verlassen und ans offene Wasser fahren.

Schneesturm zum Abschied

Die Scholle ist geräumt, die meisten Messgeräte sind eingepackt. So jedenfalls heißt es aktuell im Blog des Polarforschungsteams, das vergangene Woche am 12. Mai noch einen ordentlichen Eissturm quasi zum Abschied von der Scholle erlebt hatte: Ein Sturm mit Windstärke 9 - auf dem Festland bedeutet so etwas, dass uns zum Beispiel Dachziegel um die Ohren fliegen oder abgebrochene Baumäste. Schon davor waren auf der (wohl derzeit besterforschten) Eisscholle vorsichtshalber wichtige Gerätschaften an Bord geschafft und sicher verstaut worden. Diese Messgeräte sollten - bis auf etliche autonome Geräte - ohnehin nicht auf der Eisscholle bleiben, während die "Polarstern" zu ihrem Rendezvous mit den Forschungsschiffen "Maria" und "Sonne" fährt. Mit an Bord:

Forschungsschiffe, die das neue Team zur Polarsten bringen

Foroschungsschiff Maria S. Merian im Eis
Bildrechte: Universität Hamburg/LDF/K. v. Bröcke
Foroschungsschiff Maria S. Merian im Eis
Bildrechte: Universität Hamburg/LDF/K. v. Bröcke
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Die beiden deutschen Forschungsschiffe wurden im März von ihren eigentlichen Einsatzgebieten abgezogen und mussten in die deutsche Leitstelle für Expeditionsschiffe nach Emden zurückkehren. Glück im Unglück, jedenfalls für die Expedition MOSAIC an Bord der "Polarstern". Deren Versorgungsweg war nämlich durch die Corona-Pandemie von ihrem Versorgungsnetz abgekoppelt worden. Spitzbergen, die Zwischenstation für Material und Schiffspersonal, ist Corona-bedingt gesperrt. Ersatzweise wurde dann im März beschlossen, dass Nachschub und das neue Team per Schiff zur Polarstern kommen, mit der "Sonne" und der "Maria S. Merian".

Quarantäne vor dem Schichtwechsel

Während auf der "Polarstern" und der Scholle also Klarschiff für die 4. Crew gemacht wurde, erleben deren Mitglieder vorab schon einen Hauch von "Schollenleben": Sie sind seit Anfang Mai in strikter Quarantäne in einem Hotel in Bremerhaven, indirekt also in einer Art Trockenübung für das abgeschiedene Leben auf dem arktischen Eis. Nur über Online-Plattformen haben sie Kontakt zur Außenwelt.

Zum Vergleich: An Bord des Eisbrechers führt man derzeit vergleichsweise ein regelrechtes Lotterleben, ohne Mund-Nase-Schutz in der bordeigenen Kantine. Sogar ein Schwimmbecken gibt es auf Deck F an Bord der "Polarstern", wo die Crew regelmäßig eine Art Wasserbasketball spielt, und anschließend in der bordeigenen Sauna gemütlich schwitzen kann. Im Hotel in Bremerhaven dagegen wurde dreimal täglich das Essen vor die Zimmertür gestellt, ein Arzt ging von Zimmertür zu Zimmertür und machte Abstriche. So soll sichergestellt werden, dass die "Polarstern" auch in Zukunft Corona-frei bleibt und sich die letzte Crew nicht bei der Übergabe infiziert.

Anm. d. Redaktion: In der ursprünglichen Fassung des Artikels hieß es, die neue Crew sei seit 12. Mai in Quarantäne gewesen.

(lfw)

MDR aktuell

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