Mobilität der Zukunft Wie eine Welt (fast) ohne private Autos möglich wird

Corona hat auch unsere Art der Fortbewegung verändert. Eine Studie aus Dresden konnte zeigen, dass die Menschen weniger Bus und Bahn fahren, dafür vermehrt aufs Fahrrad steigen. Doch wie sieht das in zehn Jahren aus?

Radfahrer und Fußgänger, unterwegs auf für Autoverkehr geschlossener Straße in Toronto. 3 min
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Corona hat unser alltägliches Leben auf den Kopf gestellt und dazu gehört auch die Art, wie wir uns fortbewegen. Eine Studie aus Dresden konnte zeigen, dass die Menschen weniger Bus und Bahn fahren, dafür jetzt wieder vermehrt aufs Fahrrad steigen. Ist das aber nur eine kurzfristige Änderung oder bleibt uns aus der Corona-Zeit etwas erhalten? Wie sieht Mobilität in zehn Jahren aus?

Wie werden wir uns in zehn Jahren fortbewegen? Zunächst Mal weniger, sagt der Mobilitätsforscher Andreas Knie, Professor am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin. Ein Grund: Die Erfahrungen durch Corona.

Es wird sich so entwickeln, dass rund 50 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland ein bis zwei Tage die Woche im Homeoffice oder in Co-Working-Spaces arbeiten. Das heißt: Die Zahl der Wege, die wir für die Arbeit unternehmen, wird sich in den nächsten zehn Jahren etwas reduzieren.

Andreas Knie, Sozialforscher

Zwangsmobilität nimmt ab

So sieht das auch Harald Kipke. Der Verkehrswissenschaftler der Technischen Hochschule Nürnberg nennt es Zwangsmobilität. Die würde abnehmen.

Ich muss zu meinem Arbeitsplatz kommen und zurück zu einer bestimmten Zeit. Dieser Zwang wird abnehmen, weil ich andere Möglichkeiten habe, die sich mittlerweile auch etabliert haben - zum Beispiel das Online-Einkaufen.

Wenn das eigene Auto zum Bus wird

So gibt die Corona-Pandemie gerade einen Vorgeschmack darauf, in welche Richtung es künftig gehen kann. Dafür würden dann auch die technischen Mittel immer besser werden. Nicht nur für das Arbeiten von Zuhause wird dann einfacher, sondern auch das Online-Kaufen und natürlich die Fortbewegung, wenn man dann doch Mal irgendwo hinfahren will oder muss. Stichwort autonomes Fahren oder Apps. Andreas Knie mit einem Beispiel:

Das private Auto wird in Sekundenschnelle zu einem Bus verwandelt. Das heißt, man hat Menschen, die Autos nutzen, die sie auch gekauft haben. Und die werden auf digitalen Plattformen ihre Plätze anbieten und die können dann von anderen Menschen genutzt werden.

Andreas Knie

Zeitbedarf für ÖPNV wird durch Mobilitäts-Apps kompensiert

Nur so hätte der private PKW überhaupt eine Chance in der Zukunft: Indem er schnell zu einer Art öffentliches Verkehrsmittel wird. Denn da sind sich beide Mobilitätsforscher einig. Dass jeder sein eigenes Auto fährt – die Vorstellung habe ausgedient. Eine Welt ohne Auto ist möglich, sagt Harald Kipke. Aber was ist wenn ich dann doch Mal schnell fahren muss?

Wir haben dazu auch schon Untersuchungen gemacht im Rahmen kleiner Forschungsarbeiten. Da kam raus, dass der Zeitbedarf steigt, wenn ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin. Aber das könnte ich dadurch kompensieren, dass ich diesen Zeitbedarf durch moderne Instrumente der Kommunikation reduziere.

Die Zukunft heißt also: Nur noch wenige eigene Autos, öffentliche Verkehrsmittel in jeglicher Ausprägung, die zum Teil dann selber fahren und Apps, die alles schnell und unkompliziert koordinieren.

Verkehrswissenschaftler Harald Kipke
Verkehrswissenschaftler Harald Kipke. Bildrechte: Harald Kipke.

Und: Das Fahrradfahren und Zu-Fuß-Gehen feiert ein Comeback! Einen Vorgeschmack gibt auch hier gerade die Corona-Pandemie. Denn nur weil man sich nicht mehr fortbewegen muss, heißt das nicht, dass man es nicht mehr will. Nur kann man dann ein viel angenehmeres Transportmittel wählen.

Antrieb der Zukunft 3 min
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Laufen, fliegen, strampeln - Was bedeutet uns Mobilität? | 26. Mai 2020 | 20:00 Uhr

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